Digitale Anbieter: Ist eine Kündigung in Textform möglich?

Digitale Anbieter wie Amazon, Spotify, Netflix und Co. bieten bevorzugt die Möglichkeit, Mitgliedschaften und Abos per Mausklick zu beenden. Meist findet sich diese Option nach dem Login im Benutzerkonto oder in den Einstellungen der mobilen App. Das geht schnell, ist bequem und spart insbesondere auf Seiten des Anbieters Ressourcen für eine manuelle Kündigungsbearbeitung.

Allerdings kann es auch notwendig werden, auf anderen Wegen aus dem Vertragsverhältnis auszuscheiden: Meistens sind eben fehlende Zugangsdaten, nicht reagierende Vertragspartner oder ausbleibende Kündigungsbestätigungen Ursachen, die eine zusätzliche Kündigung notwendig machen können.

Ein weiterer möglicher Grund: Du hast dein digitales Abo gekündigt, aber trotzdem wird dir weiterhin Geld von deinem Konto abgebucht! Das ist ärgerlich und deshalb ist es gut zu wissen, was du jetzt tun kannst.

Kann ich bei digitalen Dienstanbietern ausschließlich online kündigen?

Ein Blick in die Hilfestellung oder FAQs des Anbieters macht häufig den Anschein, als sei die Kündigung im Kundenaccount oder per Appdie einzige Möglichkeit der Vertragsbeendigung. Doch was ist, wenn man bei der Suche nach der Kündigungsfunktion nicht fündig wird oder die Zugangsdaten vergessen wurden? Und dazu kommt: Man hat keine Möglichkeit der Passwort-Wiederherstellung per E-Mail – ist man in diesen Fällen aufgeschmissen? Die Antwort lautet ganz klar: Nein!

Vertragspartner muss gesetzliche Kündigungsmöglichkeiten akzeptieren

Auch wenn es sich digitale Unternehmen scheinbar leicht machen, dürfen sie die gesetzlich vorgesehenen Kündigungswege nicht beschränken oder gar ausschließen. Zwar müssen online abgeschlossene Verträge seit einer verbraucherfreundlichen Gesetzesänderung grundsätzlich auch online kündbar sein – jedoch beabsichtigt diese Änderung in erster Linie eine Erleichterung zugunsten der Verbraucher. Lassen Anbieter daraus Hürden entstehen, ist dies unzulässig. Sie müssen die Kündigung auch in Textform (per E-Mail oder Fax) oder in schriftlicher Form (per postalischem Einschreiben) akzeptieren.

Mit einer schriftlichen Kündigung bist du auf der sicheren Seite

Eine schriftliche Kündigung oder bei Verbraucherverträgen eine Kündigung in Textform ist im Streitfall immer ein gewichtiges Mittel, das notfalls auch vor Gericht Anerkennung findet.

Sämtliche Beschränkungen des Anbieters bedeuten eine Benachteiligung des Verbrauchers und sind damit rechtswidrig, auch wenn in den AGBs oder den Hilfestellungen nur die Möglichkeit der Online-Kündigung erwähnt wird.

Digitale Abos wie Netflix kündigen - alle wichtigen Infos dazu
Beispiel Netflix: mit einem Klick auf “Kündigung abschließen” beendest du deinen Vertrag

Grundsätzlich solltest du Belege aufbewahren, die den Zugang der Kündigung beim Empfänger nachweisen.
Dazu zählen etwa der Rückschein beim Einschreiben oder die Sendungsbestätigung beim Fax.

Prinzipiell bist du auf der sicheren Seite, wenn du deine Kündigungsbestätigung minimal 2 Jahre aufbewahrst. Wenn der digitale Dienstleister keinerlei Beträge mehr von deinem Konto einzieht, oder dir keine weiteren Rechnungen stellt, bist du erfolgreich aus dem Vertragsverhältnis ausgeschieden. Die Abschlussrechnung ist davon natürlich ausgenommen.

Werden trotz schriftlicher Kündigung Gebühren von deinem Konto abgebucht, ist der erste Schritt mit deiner Bank in Kontakt zu treten! Grundsätzlich gilt dann: Einzugsermächtigung zurückziehen.

Bei der Kündigung per E-Mail ist es ratsam, den Anbieter um eine Kündigungsbestätigung zu bitten, da man sonst regelmäßig keinen Zugangsbeleg erhält. Die Kündigungsbestätigung dient in diesem Fall als Nachweis.