Seriöse Strom- und Gasanbieter finden – die besten Tipps

Veröffentlicht am 19.01.2022.

So wählst du sicherer den richtigen Energieversorger

Wer bei einem neuen Vertrag nur nach hohen Boni-Zahlungen und niedrigen Preisen schielt, handelt oft fahrlässig. Denn dauerhafte Discount-Preise hält kein Versorger langfristig durch.

Die Folge: Im nächsten Jahr ziehen die Preise deutlich an. Wer dann nicht rechtzeitig kündigt, zahlt immer darauf. Es gibt daher einige Aspekte, die Wechselwillige auf der Suche nach neuen Anbietern unbedingt beachten sollten, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Deshalb bei Vergleichsportale Boni ausschließen: Bei den meisten Vergleichsportalen ist voreingestellt, dass Neukundenboni im Preisranking berücksichtigt werden sollen. Das hat zur Folge, dass auf den ersten Plätzen nur Tarife landen, die vor allem im ersten Vertragsjahr besonders günstig sind. Rechnet man den Bonus heraus, zählen diese Tarife aber nicht unbedingt zu den günstigsten.

Die richtige Wahl des Energieanbieters spart Geld und Zeit – Vergleichen lohnt sich!

7 Tipps einen seriösen Strom- und Gasanbieter zu finden

  1. Angebote mit Vorkasse und Paketpreisen klingen verlockend, trotzdem sollten Kunden grundsätzlich einen großen Bogen um diese vermeintlichen Schnäppchen machen. Bisherige Anbieterpleiten mit diesem Geschäftsmodell bestätigen den Verdacht.
  2. Vergleichsportale bieten einen schnellen und übersichtlichen Service beim Wechsel des Energieversorgers. Trotzdem darf man nicht allen Vergleichsportalen blind vertrauen. Sie verdienen bei der Vermittlung mit und sind nicht unabhängig. Besser ist es, sich Kundenrezensionen und Erfahrungsberichte anzuschauen, etwa bei trustpilot.de. Bei vielen negativen Berichten sollte man lieber die Finger vom Energieversorger lassen. Das Start-up Switchup aber auch Finanztipp listen nur faire Anbieter. Zudem findet man bei Switchup auch eine Liste mit schwarzen Schafen.
  3. Einige Energieunternehmen sichern sich durch hohe monatliche Abschläge einen kostenlosen Kredit und stellen so sicher, dass sie bei insolventen Kunden dem Geld nicht hinterherlaufen müssen. Geht ein Unternehmen aber dann pleite sind die Kunden die Dummen. Deshalb immer den tatsächlichen Bedarf der alten Rechnungen ermitteln – und Geld sparen.
  4. Bei Preiserhöhungen steht Kunden ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht zu. Allerdings werden diese gerne gut versteckt. Häufig nennen Unternehmen nur den neuen Preis, nicht aber wie stark die Erhöhung ausfällt. Eine Verschleierungstaktik, da fast niemand seinen Arbeitspreis pro Kilowattstunde auswendig kennt. Also möglichst auf transparente und klare Verträge achten.
  5. Es lohnt sich immer, die Wirtschaftskraft eines Unternehmens zu überprüfen. Existiert es schon lange, ist es eine Tochter eines Großunternehmens und wie sehen die Bilanzen der letzten Jahre aus? Wer diesen Check rechtzeitig durchführt, ist auf der sicheren Seite.
  6. Unternehmen mit klaren Kündigungsklauseln suchen. Windige Anbieter schließen die Kündigung per E-Mail und Fax explizit aus und akzeptieren nur Briefe mit Originalunterschrift. Diese umstrittene Methode mache es Kunden unmöglich, über Portale wie kuendigung.org zu kündigen. Ein weiterer Trick: Mit der Kündigung stellt der Anbieter von Lastschrifteinzug auf Überweisung um. Das bekommen Kunde gar nicht oder viel zu spät mit. In diesem Fall wird man wegen Zahlungsverzug abgemahnt und ein fälliger Jahresbonus entfällt.
  7. Trickreiche Klauseln durchschauen: Besonders Billiganbieter versuchen nach Möglichkeit, bestimmte Zahlungen zu umgehen. Im Juli 2016 beanstandete das Landgericht Köln sechs Klauseln des Billigstromanbieters 365 AG, Betreiber der Marken immergrün und almado-Energy. Im Kleingedruckten hat das Unternehmen Kunden vom Bonus ausgeschlossen, die in ihrer Wohnung auch gewerblichen Tätigkeiten nachgehen. Wer ein Arbeitszimmer hatte, musste sein Geld abschreiben. Das Gericht befand jedoch, dass niemand mit einer solchen Einschränkung in den AGB rechnen kann. Für unwirksam befunden wurde auch eine Klausel, die Haushalte mit Photovoltaikanlagen, Elektrospeicherheizungen und Wärmepumpen vom Bonus ausschließen sollte.

Unseriöse Energieversorger, Preisdumping und Insolvenz

Nur die richtige Auswahl des Anbieters verhindert, dass man auf weitere schwarze Schafe hereinfällt. Eine sorgfältige Wahl des Vertragspartners schützt vor unangenehmen Überraschungen. Die Insolvenz der Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) bringt vermutlich 250.000 Kunden um ihr Geld.

Eine weitere Pleite war schon vorher abzusehen, denn die Deutsche Energie GmbH (DEG), die Deutsche Erdgas Versorgungs GmbH, die Energieagenten Versorgungs GmbH und E:veen Energie waren 2018 schon untergegangen. Die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) musste dann Ende Januar Insolvenz anmelden. Was war geschehen? Die Angebote des Energieversorgers BEV sind konkurrenzlos preiswert gewesen. Dazu kamen hohe Bonuszahlungen, die dem Strom- und Gasanbieter einen enormen Zuwachs an Kunden sicherten. Kostendeckend für das Unternehmen waren die Angebote im ersten Jahr aber häufig nicht, denn am Anfang sind Verluste einkalkuliert. Später wollte die BEV zwar mit Preiserhöhungen die Verluste wettmachen – doch der Plan ging nicht auf. Zu viele Kunden wechselten direkt den Anbieter.

Kunden fast chancenlos

Seit zwei Jahren ziehen die Strompreise stetig an. Während eine Megawattstunde Strom im Großhandel Anfang 2017 um die 20 Euro kostete, liegen sie nun bei etwa 42 Euro. Dieser Anstieg der Großhandelspreise kann für Billiganbieter problematisch werden. Energieunternehmen, die nicht langfristig geplant und eingekauft haben, gucken in die Röhre, weil sie draufzahlen müssen. Wie bei der BEV. Nach der Pleite des Billigstromanbieters warten die Kunden auf insgesamt fast 80 Millionen Euro. Bei dem Geld geht es um Guthaben und versprochene Bonusleistungen. Doch sie werden wohl kaum etwas davon wiedersehen. Laut dem Insolvenzverwalter liegen im Posteingang 140.000 Schreiben von Kunden, deren Bearbeitung ein Jahr in Anspruch nehmen würde. Die wichtigsten Fragen aus den Schreiben sind nun herausgefiltert und gebündelt auf der Insolvenz-Webseite der BEV beantwortet. Sicherheitshalber sollten Kunden auch den Vertrag mit der BEV fristlos kündigen und bei ausstehenden Bonuszahlungen oder Guthaben die Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Ebenfalls wichtig: Ausstehende Bonuszahlungen keinesfalls mit Forderungen der BEV aus Abschlagszahlungen verrechnen, ohne sich vorher vom Anwalt oder der Verbraucherzentrale beraten zu lassen.