Ungewollter Strom- und Gasanbieter Wechsel

Veröffentlicht am 11.08.2022.

So verhindern Sie den ungewollten Strom- und Gasanbieter Wechsel

Unseriöse Anbieter versuchen vermehrt Kunden mit Gewinnspielen und Umfragen zu ködern. Wie die Masche funktioniert und wie sie Kunden durchschauen.

Knapp 20 Prozent aller Beschwerden zu Strom- und Gasverträgen sind laut Verbraucherzentralen auf ungewollte Anbieterwechsel zurückzuführen. Gerade jetzt liegen die Strompreise auf Rekordniveau. Das lockt viele schwarze Schafe an, die Verbrauchern neue Stromverträge unterschieben wollen. Im Kampf um Neukunden setzt so mancher Energielieferant deshalb fragwürdige bis illegale Methoden ein. Erst im Januar warnten die Stadtwerke Ansbach vor unlauteren Strom- und Gasanbietern, die im Raum Ansbach wieder auf Kundenfang waren. Auf aggressive und penetrante Weise sind Kunden der Stadtwerke am Telefon belästigt worden, damit sie ihren Tarif wechseln. Der Verbraucherzentrale Bundesverband liegen momentan besonders viele Beschwerden über den Energieriesen Eon vor. Nach einem unverfänglichen Werbeanruf wunderten sich Verbraucher darüber, dass ihr Stromvertrag gekündigt wurde und sie plötzlich einen neuen abgeschlossen haben sollen. In der Regel handelt es sich dabei um Werbeanrufe, bei denen Anrufer neue Lieferverträge anpreisen und dabei versuchen, Daten wie Name, Adresse und Zählernummer zu erfragen. Zusätzlich wird versucht, eine Vollmacht zur Kündigung des Altvertrags per SMS zu bestätigen. Das Dreiste: Die Anrufer kündigen den Vertrag, selbst dann, wenn gar keine Vollmacht erteilt wurde.

Die Tricks der Kundenfänger

Was der Kunde oft nicht weiß: Die Gauner greifen auf Datenhändler zurück, wissen deshalb schon im Voraus viel über persönliche Daten, so wie den aktuellen Strom- und Gasvertrag.
Mit diesem Wissen behaupten die Anrufer eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit durchzuführen, im Auftrag eines unabhängigen Energieberaters oder der Bundesnetzagentur anzurufen. Gerne locken sie mit Gewinnspielen oder geben an, dringend den Verbrauch überprüfen zu müssen. Haben sie die persönlichen Daten, leiten die Kundenfänger den Anbieterwechsel ohne Wissen des Kunden ein. Eigentlich soll der unbürokratische Strom- und Gaswechsel Hürden beseitigen. Aber es erlaubt dem neuen Anbieter auch den alten Stromvertrag ohne Vollmacht zu kündigen, wenn ein neuer Vertrag vorliegt. Mittlerweile behaupten Versorger gern, dass eine Kündigungsvollmacht erteilt wurde, auch wenn das nicht stimmt.

Abwehr ist die beste Verteidigung

Prinzipiell sollten Betroffene Anrufer mit unterdrückter oder unbekannter Nummer nach kurzer Anhörung sofort abwimmeln. Es kommt manchmal vor, dass ein regelrechter Telefonterror einsetzt. Gauner bombardieren den Kunden mit Daueranrufen oder SMS-Mitteilungen. Im Falle dieser aggressiven und nervigen Variante gibt es zwei Möglichkeiten: die Nummer blockieren oder der Bundesnetzagentur zu melden. Die Missachtung der gesetzlichen Regelungen ist bußgeldbewehrt und kann als Ordnungswidrigkeit durch die Bundesnetzagentur verfolgt werden. Bei Verstößen gegen das Verbot der unerlaubten Telefonwerbung kann die Behörde Bußgelder von bis zu 300.000 Euro verhängen. Eine Rufnummernunterdrückung bei Werbeanrufen kann mit Bußgeldern bis zu 10.000 Euro geahndet werden.

Ungewollter Anbieterwechsel – so wehrt man sich

Wenn der Kunde erstmal in die Falle getappt ist, bieten sich immer noch Möglichkeiten zum Rücktritt aus dem ungewollten Vertrag. Betroffene Verbraucher erfahren vom Betrug meistens erst, wenn eine Auftragsbestätigung für den nicht erteilten Auftrag ins Haus flattert. Laut Verbraucherzentrale besteht dann immer noch eine zweiwöchige Widerrufsfrist, die formal keinerlei Begründung enthalten muss. Allerdings nur, wenn der Kunde ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht aufgeklärt wurde. Wenn nicht, beträgt die Frist ein Jahr und 14 Tage. Drei Schritte die in jedem Fall notwendig sind:

  • Den Widerruf am besten schriftlich per Fax (mit anschließendem Ausdruck des Sendeberichts) oder Einschreiben mit Rückschein einreichen.
  • Zusätzlich sollte man den bisherigen Anbieter darüber informieren, dass die Kündigung nicht wirksam ist – und der ursprüngliche Vertrag zu den alten Bedingungen weiterhin besteht.
  • Weigert sich der Anbieter die alten Vertragskonditionen zu akzeptieren, sollten Kunden einen neuen Strom- oder Gasvertrag abschließen. Sonst besteht die Gefahr in die meist teurere Grundversorgung zu fallen.

Weitaus schwieriger wird es, wenn die zweiwöchige Frist verstrichen ist, weil man etwa im Urlaub war. Obwohl Vollmachten grundsätzlich schriftlich vorliegen müssen, um juristisch wirksam zu sein, ist es in der Praxis meist schwer gegen die untergejubelten Verträge vorzugehen. In jedem Fall empfiehlt es sich, Juristen oder die Verbraucherzentrale um Rat zu fragen. Denn bei juristischen Auseinandersetzungen steht Wort gegen Wort – und deshalb können Prozesse lang und teuer werden. Immerhin gibt es ein Lichtblick: Das Landgericht München I hat im April entschieden, dass E.ON die Verträge für die Verbraucher ohne eine Vollmacht in Textform, also eine Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger, nicht kündigen durfte. Allerdings ist das Urteil noch ist nicht rechtskräftig.