Einfacherer Widerruf von Kreditverträgen: Dieses neue Gerichtsurteil macht’s möglich

Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs könnte es Verbrauchern in Zukunft deutlich einfacher machen, ihre Kreditverträge zu widerrufen – und zwar auch noch nach Jahren. Fehlen wesentliche Angaben zu Verzugszinsen oder Vorfälligkeitsentschädigung, dann können Verbraucher auch lange nach Vertragsabschluss mit einem Widerruf Erfolg haben.

Wie bei den meisten anderen Verträgen war auch bei Darlehensverträgen aller Art das Widerrufsrecht bisher ganz klar geregelt: Bis zu 14 Tage nach Abschluss ließen sich diese ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen.

Wichtig dabei: Die Bank muss dem Kreditnehmer eine offizielle Widerrufsbelehrung zukommen lassen.

Nach Ende dieser Widerrufsfrist war die Beendigung des Vertrags bisher nur durch eine reguläre Kündigung möglich. Hier wurde allerdings dann meist eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Je nach Vertrag und vereinbarten Konditionen kann dies einen beträchtlichen finanziellen Nachteil für die Darlehensnehmer bedeuten. Mit einem aktuellen Urteil hat der Europäische Gerichtshof aber nun die Rechte von Verbrauchern in Bezug auf Darlehensverträge gestärkt.

Widerruf des Kreditvertrags auch nach Jahren möglich: Das EuGH-Urteil dazu

Bei dem Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof ging es konkret um Kreditverträge, die mit der VW-Bank, der Skoda Bank und der BMW-Bank zur Finanzierung von Autokäufen geschlossen wurden. Hier waren an mehreren Stellen der Verträge nur unvollständige Angaben enthalten. Dies betraf einmal die Verzugszinsen, die nicht mit einem konkreten Prozentsatz aufgeführt waren. Auch die zugrunde liegende Berechnung war nicht erläutert. Darüber hinaus sei nicht genau nachvollziehbar gewesen, wie sich die Vorfälligkeitsentschädigung berechne.

Ergebnis: Die betreffenden Verträge mit den Banken der Automobilhersteller wurden widerrufen, obwohl sie bereits mehrere Jahre alt waren. Auf Grundlage dieser Fälle entschied das oberste Gericht der EU zudem, dass in Darlehensverträgen in Zukunft detailliertere Angaben zu Verzugszinsen und Vorfälligkeitsentschädigung gemacht werden müssen. Andernfalls dürfen unvollständige Kreditverträge auch noch Jahre nach Abschluss widerrufen werden – sehr zur Freude von Verbrauchern und zum Ärger von Banken.

Kreditvertrag widerrufen: Was bringt dieses Urteil den Verbrauchern?

Klare Antwort: Sehr viel. Nach früheren, eher verbraucherunfreundlichen Urteilen des Bundesgerichtshofs wird dieses Urteil von Anwälten und Verbraucherschützern als Schritt in die richtige Richtung gesehen. Verbraucher haben so die Möglichkeit, ihre alten Darlehensverträge zu widerrufen und so z.B. die Restschuld zu senken, indem Verzugszinsen oder Gebühren wegfallen. Außerdem können sie so auch leichter neue Kreditverträge zu günstigeren Zinsen abschließen oder diese komplett beenden. Nach der Meinung von Verbraucherschützern könne dieses neue Urteil zahlreiche alte Verträge betreffen, da nur wenige ausreichende Angaben enthalten. Gerade im Falle von Autokrediten würden diese Widerrufe Einiges nach sich ziehen: Der gesamte Autokauf müsste rückabgewickelt werden, d.h. der Kunde gibt das Fahrzeug zurück und die Bank erstattet die Anzahlung sowie die bisher geleisteten Ratenzahlungen.

Einzige Ausnahme stellen Darlehensverträge für Immobilien mit grundpfandrechtlicher Absicherung dar.

Ein neues Kapitel im Widerrufsrecht

Das eindeutige Fazit zu diesem Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Verbrauchern wird in Sachen Widerruf von Darlehensverträgen ganz klar der Rücken gestärkt. Das übliche Widerrufsrecht von 14 Tagen nach Vertragsabschluss findet bei Kreditverträgen keine Anwendung, wenn diese nicht alle erforderlichen Informationen zu Verzugszinsen und Vorfälligkeit enthalten. Verbraucher haben in diesen Fällen die Möglichkeit, auch viele Jahre alte Verträge zu widerrufen. So können sie entweder das Vertragsverhältnis komplett beenden oder einen neuen Darlehensvertrag mit besseren Konditionen abschließen.